Vier Jahrzehnte APCO — die Brand-History
Von einer kleinen Werkstatt 1976 zur vertikal integrierten Manufaktur in Caesarea. Wie APCO über 40 Jahre einer der wenigen unabhängigen Schirm-Hersteller geblieben ist.
APCO Aviation wurde 1976 in Israel gegründet. Das ist 14 Jahre vor dem ersten kommerziellen Gleitschirm-Boom in Europa, und 7 Jahre nach den ersten Hochleistungs-Fallschirm-Experimenten in Frankreich. Wer 1976 Schirme entwickelte, war Pionier in einem Markt, den es noch nicht gab.
Das ist die Geschichte, wie aus einer kleinen Werkstatt-Idee in Israel eine der vertikal integrierten Manufakturen der Branche wurde — und warum APCO heute einer der wenigen wirklich unabhängigen Schirm-Hersteller ist.
1976 — die Gründung
Die Anfänge waren in einer kleinen Werkstatt in Israel — keine industrielle Halle, keine internationalen Vertriebs-Strukturen, sondern eine Hand voll Pioniere mit Werkbänken und Industrie-Nähmaschinen.
Was damals entwickelt wurde, hatte mit modernen Gleitschirmen wenig gemeinsam. Es waren Hochleistungs-Fallschirme für militärische und zivile Spezialzwecke — Roggal-Wing-Konstruktionen, frühe Ramair-Schirme, Test-Modelle für Lasten- und Personen-Transport.
In dieser Zeit entstand das Wissen, das später für Gleitschirme entscheidend wurde: Stoff-Materialkunde, Naht-Verfahren, Leinen-Konfektion, Aerodynamik-Tests.
Die 80er — Übergang zu Gleitschirmen
In den frühen 80ern entstand in Frankreich und der Schweiz der Gleitschirm-Sport — Pioniere wie Laurent de Kalbermatten und André Bohn brachten die ersten “echten” Gleitschirme auf den Markt. APCO sah die Chance früh:
- 1985–1988 — erste APCO-Gleitschirme als Test-Modelle
- 1989 — erstes kommerzielles APCO-Modell, handgefertigt in der Werkstatt
- 1990–1993 — Aufbau einer eigenen Vertriebs-Linie
In dieser Phase entstand auch der vertikale Integrations-Ansatz: APCO entschied, alles selbst zu produzieren — Stoff-Cut, Naht, Leinen, Montage, QC. Das war damals ungewöhnlich. Die meisten Konkurrenten lagerten Teile aus (Naht in Asien, Leinen aus Spezial-Werkstätten, Stoff von Lieferanten direkt).
Die 90er — Caesarea und das Werkstatt-Modell
Anfang der 90er zog die Werkstatt nach Caesarea in eine größere Halle. Hier wurde das Werkstatt-Modell etabliert, das bis heute besteht:
- Stoff-Eingang aus Lyon (Porcher Industries)
- Cutting + Naht + Leinen + Montage in einer Halle
- QC und EN-Zertifizierung intern + extern
- Direkter Versand an Distributoren (DACH/EU/US/Asien)
Was diese vertikale Integration ermöglicht: APCO kann schnell auf Marktveränderungen reagieren und Custom-Bestellungen umsetzen, die Outsourcing-Hersteller nicht können.
In den 90ern entstanden auch die ersten patentierten Konstruktions-Elemente:
- HIT Valves (Druck-Regelung) — Patent in den 90ern
- FLEXON Rod System (Federstäbe statt Mylar) — Mitte 90er
- Skytex Hard Finish Verarbeitung — APCO als einer der ersten Anwender
2000er — Expansion zu Motor und Tandem
In den 2000ern expandierte APCO in zwei Richtungen:
Reflex-Motorschirme
APCO wurde einer der Pioniere der Reflex-Schirme für Motorflug. Reflex-Profile (Schirm drückt sich bei hoher V-Trim aktiv auf) waren in den 90ern noch experimentell — APCO brachte sie in die Serien-Produktion.
Heute heißen die APCO-Reflex-Modelle F1, F3, F5 — direkt aus dieser Reflex-Linie. Sie sind in der PPG-Welt etabliert und weltweit im Einsatz.
Tandem-Schirme und Hybrid-Konzept
Das Hybrid-Konzept (Single-Surface-Außen + Double-Surface-Innen) entstand in den 2000ern. APCO baute damit den ersten EN-A zertifizierten Tandem-Hybrid — ein Tandem-Schirm mit Schul-Sicherheit.
Hybrid wurde später auf Solo-Schirme erweitert (apco hybrid). Das Konzept ist heute in der Branche kopiert worden, aber APCO bleibt einer der wenigen Hersteller, die es konsequent in EN-A Tandem-Klasse umsetzen.
2010er — die EN-Norm-Welt
In den 2010ern wurde die EN 926-2 Norm in Europa verbindlich. Vorher gab es LTF (Deutschland), AFNOR (Frankreich), DHV (Deutschland) als Klassifikations-Systeme.
APCO musste alle Schirme nach EN re-zertifizieren — ein erheblicher logistischer Aufwand. Die meisten Schirme bestanden direkt, weil das interne Test-Verfahren ohnehin streng war.
In dieser Zeit wurde auch die Garantie-Struktur modernisiert:
- 3 Jahre / 250 Stunden Standardgarantie auf alle Schirme
- Re-Liner-Service als Standard-Wartungs-Angebot
- Logbuch-Pflicht mit elektronischer Hersteller-Datenbank
2020er — heute und morgen
Heute (Stand 2026) ist APCO:
- Eine der wenigen vertikal integrierten Schirm-Hersteller weltweit
- Mit etwa 20 aktuellen Modellen im Portfolio (Gleitschirm, Motor, Gurtzeug, Reserve)
- In mehr als 40 Ländern vertrieben
- Mit eigener Manufaktur, eigener QC, eigener EN-Zertifizierung
Was sich nicht verändert hat: das Werkstatt-Modell. Schirme entstehen weiterhin in Caesarea, Hand-Arbeit auf Maschinen, von Mitarbeiter:innen mit jahrzehntelanger Erfahrung.
Was Flyapco mit APCO verbindet
Flyapco ist die DACH/EU-Distribution für APCO. Wir sind kein klassischer Großhändler, sondern:
- Service-Backbone in München (Werkstatt für 2-Jahres-Checks und Reparaturen)
- B2B-Verkauf an Schulen und Händler mit individueller Beratung
- B2C-Beratung für Pilot:innen, die direkt Bezug zur Marke wollen
Unser Standort in Taufkirchen bei München liegt strategisch gut — zentrale Lage in DACH, Anbindung an die Alpen-Flieger-Szene, kurze Wege zu den deutschen Pilot:innen-Vereinen.
Was uns von anderen Distributionen unterscheidet
Drei Dinge sind uns wichtig:
1. Direkter Draht zur APCO-Werkstatt
Wir kennen die Mitarbeiter:innen in Caesarea persönlich. Wenn ein Schirm Custom-Wünsche hat, sprechen wir direkt mit der Naht-Station — keine Telefonschleife, kein 6-Wochen-Wartebrief.
2. Eigener Werkstatt-Service in München
Standard-Checks, Re-Liner, Reparaturen passieren in Taufkirchen — keine Versand-Logistik nach Israel. Damit sind die Durchlauf-Zeiten kurz (1–2 Wochen statt 6+ Wochen).
3. Inhalts-Tiefe
Was du auf flyapco.eu findest — Glossar, Comparisons, Pillars, Stories — ist nicht Marketing-Content, sondern dokumentiertes Werkstatt-Wissen. Wir schreiben es so, dass du als Pilot:in selbst die richtige Entscheidung treffen kannst.
Die nächsten Jahre
Was wir für die Zukunft sehen:
- Wachstum im PPG-Markt — Reflex-Motorschirme als Wachstums-Segment
- Mehr Hike-Fly-Equipment — Skytex 27 + Hybrid-Konstruktion in mehreren Modellen
- EN-Norm-Weiterentwicklung — die Norm wird in den nächsten Jahren überarbeitet, neue Test-Verfahren
- Elektro-Motor-Integration — APCO arbeitet mit Motor-Herstellern an Elektro-PPG-Setups
Was sich nicht verändern wird: das Werkstatt-Modell. Vertikale Integration, vor Ort gefertigt, ohne Outsourcing. Das ist der APCO-Standard seit 1976.
Vier Jahrzehnte später
Wer 1976 in einer Werkstatt in Israel an Hochleistungs-Fallschirmen arbeitete, hatte vermutlich nicht im Sinn, dass diese Werkstatt 50 Jahre später als Manufaktur für EN-A Schul-Schirme und Reflex-Motor-Schirme weiterbestehen würde.
Aber genau das ist passiert. Vier Jahrzehnte konsequente Hand-Arbeit und vertikale Integration haben aus einer Pionier-Werkstatt eine etablierte Marke gemacht — eine, die weltweit für konstante Qualität und langlebige Schirme steht.
Wer einen APCO-Schirm fliegt, fliegt damit ein Stück Hand-Werks-Tradition. Das ist der Brand-Wert, den wir mit Flyapco in DACH und EU vermitteln.