Ratgeber · Hike-Fly

Hike and Fly Equipment — der vollständige Guide

Light-Schirm vs ULS, Hike-Gurtzeug, Reserve, Rucksack — was wirklich rein muss, wenn du Berg hoch und vom Gipfel weg fliegst.

von Flyapco · 14 Min

Hike and Fly bedeutet: zu Fuß auf den Gipfel, vom Gipfel runterfliegen. Klingt simpel, ist aber technisch eine eigene Disziplin mit eigenem Material — leichter, kompakter, oft kompromiss-bereiter als klassisches Höhen-Fliegen.

Dieser Guide zeigt dir, was wirklich in den Rucksack gehört, wo die Grenzen zwischen Light-, ULS- und Standard-Equipment liegen, und wie du dein Setup auf Wettkampf-Niveau bringst — ohne das Falsche zu kaufen.

Was bedeutet Hike and Fly?

Hike and Fly (oft H&F abgekürzt) hat drei Spielarten:

  • Casual Hike-Fly — kurzer Aufstieg (1–3 h), normaler Schirm im Rucksack, gemütlicher Flug zurück
  • Sportliche Hike-Fly — mehrere Stunden Aufstieg, leichteres Equipment, optimiertes Pack
  • Vol-Bivouac / Wettkampf-H&F (X-Alps) — Mehrtagestouren, ultraleichtes Equipment, Kompromiss-Ergebnis-Optimierung

Die meisten Pilot:innen machen das mittlere Segment: 1.000–1.500 Höhenmeter zu Fuß, 5–10 Kilo Material auf dem Rücken, 1–2 Stunden Flug-Spaß als Belohnung.

Light-Schirm vs ULS vs Standard — die Gewichts-Klassen

Schirme für Hike-Fly werden meist in drei Kategorien sortiert:

Standard-Schirm (4.5–5.5 kg)

Klassischer EN-A oder EN-B Schirm mit Skytex Hard Finish. Robust, langlebig, nicht spezifisch leicht. Für Casual Hike-Fly, kurze Aufstiege, gelegentliche Touren.

Light-Schirm (3.5–4.5 kg)

Optimiertes Stoff-Material (oft Skytex 32 statt 38), reduzierte Verstärkungen, leichtere Tragegurte. Bauart bleibt klassisch — Standard-Schul-Schirm-Verhalten, aber 1 kg weniger.

ULS / Ultra-Light-Schirm (2.5–3.5 kg)

Skytex 27 oder spezielle Hike-Stoffe, Sliced Diagonals aggressiv, oft Single-Skin oder Hybrid-Konstruktion. Empfindlicher, aber pack-optimiert.

Single-Skin (< 2 kg)

Nur Obersegel, kein Untersegel. Nur für Schul- oder Notfall-Hike-Fly — extrem leicht, aber leistungsschwach. Spielt im Hauptmarkt eine Nebenrolle.

Empfehlung nach Pilot-Profil:

Pilot-ProfilSchirm-Klasse
Anfänger:in, Casual H&FStandard-Schirm (z.B. KARISMA II)
Erfahren:e, regelmäßiges H&FLight-Schirm (Skytex 32)
Sportlich, optimiertULS-Schirm
Wettkampf-X-AlpsSpezialisierte ULS oder Single-Skin

APCO bietet mit dem APCO Hike ein leichtes EN-A Modell für die ersten beiden Profile, mit dem HYBRID ein Mid-EN-B Hike-fähiges Modell.

Schirm-Auswahl für Hike-Fly

Drei Kriterien bestimmen die Wahl:

Gewicht im Rucksack. 1 kg weniger Schirm = 1 kg weniger Aufstiegs-Belastung. Über 1.000 Höhenmeter merkst du den Unterschied.

Pack-Volumen. Ein 23-Liter-Rucksack passt nur, wenn der Schirm wirklich kompakt ist. Standard-Schirme brauchen oft 30+ Liter.

Stoff-Robustheit. Skytex 27 ist 30 % leichter als Skytex 38, aber 50 % empfindlicher gegen Bodenkontakt. Wer in Felsen-Regionen fliegt, sollte Light vor ULS bevorzugen.

Praxis-Tipp: der größte Gewichts-Sprung ist von Standard zu Light (1 kg Ersparnis bei wenig Verlust). Der Sprung von Light zu ULS bringt nur 0.5–1 kg Ersparnis, kostet aber Robustheit. Für die meisten Pilot:innen ist Light der Sweet Spot.

Gurtzeug für Hike-Fly

Hier sind die größten Gewichts-Optimierungen möglich. Vier Kategorien:

Sitzbrett-Gurtzeug (1.8–2.5 kg)

Standard-Schul-Gurtzeug mit Sitzbrett. Komfortabel, robust, schwer. Nicht für sportliches H&F.

Reverse-Gurtzeug (1.0–1.8 kg)

Rucksack + Gurtzeug in einem — du fliegst mit dem leeren Rucksack als Sitz. Sehr beliebt für Casual H&F.

String / Dreieck-Gurtzeug (0.6–1.0 kg)

Minimalistisches Hängesystem ohne Sitzbrett. Nicht komfortabel, aber ultra-leicht. Für sportliches H&F.

Pod / Liegegurt (1.5–2.5 kg)

Komfort-Gurtzeug mit Cocoon-Form. Schwerer, aber für lange Flüge optimiert. Selten H&F-tauglich, eher klassisches XC.

APCO bietet u.a. den APCO First Harness (Schul-Gurtzeug) und den Chairbag V (Reverse-Variante) — der Chairbag V ist der typische Hike-Begleiter.

Reserve (super-leicht) — was geht, was nicht

Reserve-Schirm ist Pflicht. Auch im Hike-Fly-Setup. Drei Varianten:

Standard-Reserve (1.4–1.8 kg)

Klassischer Rund-Reserve. Sicher, robust, schwer. Standard im Schul-Gurtzeug.

Light-Reserve (1.0–1.3 kg)

Optimierter Stoff, dünnere Leinen. Vom Hersteller als H&F-tauglich zertifiziert. Sweet Spot für die meisten H&F-Pilot:innen.

Ultra-Light-Reserve (0.8–1.0 kg)

Spezialisierte Wettkampf-Reserve. Empfindlicher gegen Falt-Schäden. Hat oft kürzere Wartungs-Zyklen (jährlicher Pack-Service).

Pro-Tipp: spar nicht bei der Reserve. Im Notfall ist das deine zweite Chance. 200 € Mehrkosten für eine zertifizierte Light-Reserve sind besser angelegt als bei jedem anderen Equipment-Teil.

Hike-Fly-Rucksack — Volumen, Zugang

Drei Eigenschaften zählen:

Volumen

  • 20–25 Liter — Minimum für Schul-Schirm + Gurtzeug + Reserve + Helm + Kleidung
  • 30 Liter — Komfort für Standard-Equipment
  • 40 Liter — Für Mehrtagestouren oder Vol-Bivouac

Pack-Zugang

H&F-Rucksäcke haben oft Top-Loader (Schirm oben rein, oben raus) — schneller im Wechsel zwischen Wandern und Fliegen. Klassische Klappen-Rucksäcke sind langsamer im Pack-Wechsel.

Reverse-Funktion

Manche Rucksäcke werden zum Reverse-Gurtzeug (Pack-Volumen wird zur Sitzfläche). Spart 1 kg gegenüber separater Lösung.

Marken-Empfehlung: Apco hat eigene Hike-Rucksäcke im Sortiment, alternativ Niviuk Roamer, Advance Lightpack oder Skywalk Pack für sehr leichte Setups.

Wettkampf-Hike-Fly: X-Alps & Co.

Die Red Bull X-Alps ist der bekannteste Hike-Fly-Wettkampf — 2.000+ km von Salzburg ans Mittelmeer, Pilot:innen mit Wandern + Fliegen, in 12 Tagen.

Hier wird Equipment auf das Maximum optimiert:

  • Schirme < 2 kg (Single-Skin oder Spezial-ULS)
  • Gurtzeuge < 0.8 kg
  • Reserven < 1 kg
  • Rucksäcke < 1 kg
  • Komplett-Gewicht oft unter 6 kg

Das ist Eliten-Niveau und nicht für Hobby-Pilot:innen. Aber: viele Hobby-Pilot:innen orientieren sich an X-Alps-Setups und kaufen Equipment, das sie nicht brauchen. Lieber bewusst zwischen “Hike-fähig” und “X-Alps-Niveau” unterscheiden.

Fingerübungen — Aufstieg + Start in einem Zug

Beim H&F machst du zwei Disziplinen hintereinander: Wandern und Fliegen. Die Übergangs-Phase ist der kritische Punkt.

Effiziente Routinen:

  1. Vorab-Pack — Schirm im Rucksack so falten, dass beim Auspacken 30 Sekunden bis Aufzug reichen
  2. Wind-Check vom Pfad aus — schon im Aufstieg den Wind beobachten, am Gipfel keine Überraschung
  3. Helm und Funk schon am Gipfel — Wechsel-Phase reduziert
  4. Gurtzeug-Wechsel — wer Reverse-Gurtzeug fliegt, spart hier 5 Minuten
  5. Reserve-Check — vor jedem Start: Reserve sitzt richtig, Pin nicht verheddert

Wer das routiniert, kommt vom Gipfel-Erreichen bis zum Aufzug in 2–3 Minuten. Das ist der Unterschied zwischen “wir fliegen heute” und “der Wind ist umgesprungen”.

Routen-Planung mit Lift-Berechnung

Hike-Fly ist mehr als “auf den Berg, runter”. Wer ernsthaft fliegt, plant Lift-Routen:

  • Aufstieg-Berg und Flug-Berg sind nicht zwingend identisch — wer Höhe über Thermik gewinnt, kann von kleineren Bergen länger fliegen
  • Tageszeit — vormittags andere Thermik-Lage als nachmittags
  • Wind-Vorhersage — H&F bei Süd-Wind oft nur West-Berge fliegbar
  • Lande-Plätze — pro Flug-Variante mehrere Optionen einplanen

Tools für die Planung:

  • paragliding.earth — globale Datenbank mit Start- und Lande-Plätzen
  • windy.com — Wind-Vorhersage Nähe-genau
  • swissparapente.ch für Schweiz-Touren
  • Topo-Karten mit eingezeichneten Pfaden + Aufstiegs-Höhe

APCO Hike-Fly-Equipment im Sortiment

Was bei APCO konkret für H&F geeignet ist:

  • APCO Hike — Light-EN-A Schirm, optimiert für Hike-Fly mit Skytex 27/32 Mix. Gewichts-Sweet-Spot bei klassischer EN-A Sicherheit.
  • HYBRID — Mid-EN-B mit Hybrid-Konstruktion. Leichter als Standard-EN-B, mit XC-Tauglichkeit für Vol-Bivouac.
  • VISTA VI — High-EN-A 2.5-Leiner. Nicht spezifisch für H&F, aber leichter als KARISMA II und mit besserer Performance.
  • NESTRA — High-EN-B 2.5-Leiner. Für sportliches H&F mit XC-Ambitionen.
  • Chairbag V Gurtzeug — Reverse-Pack-Gurtzeug, ideal für H&F.

Welcher Schirm zu welchem Pilot-Profil passt, beantwortet unser direkter Vergleich HYBRID vs VISTA VI.

Sicherheits-Hinweise speziell für H&F

H&F hat eigene Risiken, die im klassischen Höhenflug nicht so präsent sind:

Nasse Schirme: Wer mit Tau am Pfad startet, hat einen feuchten Schirm. Feuchter Stoff hat schlechteres Aufzieh-Verhalten und kann beim Aufzug klemmen.

Felsen-Starts: Aufzug von kleinen Bergsattel oder Fels-Plateau verlangt präzises Aufzieh-Verhalten — Standard-Wiesen-Aufzug funktioniert nicht immer.

Höhenflug-Wechsel: vom 200-Meter-Übungsgelände zum 2.000-Meter-Gipfel ist nicht nur ein Höhen-Sprung — es ist ein anderer Wind-Charakter, andere Thermik, andere Lande-Distanzen. Plan deine ersten H&F-Touren auf bekannten Bergen.

Wetter-Wechsel: Im Hochgebirge dreht der Wind in 20 Minuten. Pflicht-Equipment: Wind-Mess (Smartphone-App), Funk-Kontakt, Notfall-Plan.

Pack-Routine — was 5 kg Setup bedeutet

Für den Light-Setup (Pilot mittlerer Statur, Standard-Tour):

KomponenteGewicht
Light-Schirm (Skytex 32)4.0 kg
Reverse-Gurtzeug1.4 kg
Light-Reserve1.2 kg
Helm (Light)0.4 kg
Variometer + Funk0.4 kg
Wasser (1.5 L)1.5 kg
Snack + Notfall-Riegel0.3 kg
Wechsel-Kleidung (Stirnband, Handschuhe)0.5 kg
Gesamt9.7 kg

Wer auf 5 kg unten will, geht in ULS-Schirm + String-Gurtzeug + Ultra-Light-Reserve. Realistisch für Hobby-Pilot:innen sind 8–10 kg.

Zusammenfassung

Hike-Fly ist eine Disziplin, kein Sport-Hobby-Add-on. Die Gewichts-Optimierung lohnt sich, aber nicht auf Kosten der Sicherheit:

  • Schirm: Light vor ULS — Gewicht runter, Robustheit weitgehend behalten
  • Gurtzeug: Reverse als Sweet Spot — leicht und multi-funktional
  • Reserve: Light, niemals weglassen
  • Rucksack: 25–30 Liter mit Top-Load-Zugang

Wer das macht, kommt mit etwa 8–10 kg auf den Berg, fliegt mit klassischer EN-A oder Mid-EN-B Sicherheit zurück und verliert weder Geld noch Vorhaben.

Bei Fragen zum konkreten APCO-Hike-Setup: [email protected].