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Werkstatt München — wie wir den 2-Jahres-Check machen

Sicht-Inspektion, Porositäts-Test, Leinen-Bruchlast, Trim-Anpassung. Ein Schirm-Check live aus der Werkstatt in Taufkirchen — von der Anlieferung bis zum Logbuch-Stempel.

Ein 2-Jahres-Check ist Pflicht. Keiner von uns mag Pflicht-Termine — aber bei einem Schirm-Check geht es nicht um Bürokratie, sondern um strukturelle Inspektion, die du im Flug nicht selbst machen kannst.

Dieser Beitrag zeigt einen typischen Check-Tag in der Werkstatt Paramaniac in Taufkirchen bei München, wo wir mit Flyapco zusammenarbeiten. Vom Anlieferung-Karton bis zum Logbuch-Stempel.

Anlieferung — was zuerst passiert

Ein Schirm kommt ins Werkstatt-Lager mit der Pilot-Information:

  • Schirm-Marke + Modell + Größe + Seriennummer
  • Bisheriges Logbuch (mit allen Vor-Stempeln)
  • Letzter Flug-Eintrag (Stunden, Bodenkontakte, besondere Ereignisse)
  • Kontakt-Daten der Pilot:in

Beim Eingang wird der Schirm registriert und in der Werkstatt-Datenbank angelegt. Geplante Durchlauf-Zeit für einen Standard-Check: 1–2 Wochen, abhängig von der Werkstatt-Auslastung.

Bei besonderen Ereignissen (z.B. “Vollstall mit Boden-Kontakt”) legt die Werkstatt ein eigenes Inspektions-Set fest, das gegebenenfalls über den Standard hinausgeht.

Sicht-Inspektion — das geübte Auge

Phase 1 ist visuelle Kontrolle. Der Schirm wird vollständig ausgelegt auf einem langen Tisch, beidseitig (Obersegel + Untersegel). Die Werkstatt-Mitarbeiter:in geht Zentimeter für Zentimeter durch:

  • Eintrittskante — UV-Verfärbung, Mylar-Knicke (bei alten Schirmen), FLEXON-Stab-Zustand
  • Stagnations-Punkt auf Obersegel — wo Aufzieh-Wind aufprallt, höchste Belastung
  • Naht-Bereiche an A-Reihen-Anschluss-Punkten
  • Innere Diagonalen durch Inspektions-Öffnungen (geübte Hand kommt rein)

Was als kritisch gilt

  • Risse > 2 cm in tragenden Bereichen → Reparatur nötig
  • Mehrere Risse oder großflächige Versprödung → Schirm-Lebensende möglich
  • Eintrittskanten-Deformation durch FLEXON-Bruch → Spezial-Reparatur nötig
  • Naht-Lockerungen über 5 cm → Re-Naht durch Werkstatt-Spezialnähmaschine

Was als “noch ok” gilt:

  • kleine Naht-Risse (< 1 cm) — repariert mit Spezial-Stoff-Patch
  • leichte UV-Verfärbung im Tuch
  • minimaler Mylar-Knick bei alten Schirmen

Porositäts-Test — der wichtigste Einzel-Test

Der JDC-Test ist das Herz des Checks. Mit einem JDC-Gerät (kleines Mess-Instrument von Air Flow Tech) wird gemessen, wie luftdicht das Stoff-Tuch noch ist:

  1. Eine kleine Stoff-Probe wird mit einer Saugglocke versiegelt
  2. Definiertes Luftvolumen (200 cm³) wird durch den Stoff gezogen
  3. Stoppuhr misst die Durchlauf-Zeit

Der Wert ist die Sekunden-Anzahl für 200 cm³:

WertBewertung
> 200 sNeuwertig
100–200 sGut, mehrere Saisons noch
50–100 sFlugtauglich, Auge auf nächsten Check
30–50 sGrenzwertig
< 30 sLebensende — nicht mehr flugtauglich

Werkstätten messen an mindestens 3 Stellen: Obersegel-Mitte, Untersegel-Mitte, Eintrittskante (höchste Belastung, niedrigster Wert).

Eine Schul-Schirm-Story aus der Praxis

“Wir hatten letzte Saison einen 5-jährigen KARISMA II zum Check. Pilot war Schul-Anwärterin, etwa 80 Flugstunden. Sicht-Inspektion war perfekt. Aber JDC: Obersegel 180s, Untersegel 145s, Eintrittskante nur 65s. Eintrittskanten-Stoff war stark UV-belastet — der Schirm stand viel im Sommer im Garten zur Trocknung nach Tau. Wir empfehlen: noch flugtauglich, nächster Check in 18 Monaten statt 24.”

Das ist die Art von Erkenntnis, die der Check liefert. Pilot:innen, die ihren Schirm gut behandeln, halten oft länger — wer schlampt, kürzer als erwartet.

Leinen-Bruchlast-Test — Verbrauchsmaterial

Leinen sind Verbrauchsmaterial. Sie altern durch UV, Knicke, Anschluss-Belastung. Pro Leinen-Reihe wird im Check:

  1. Ein Sample-Stück (typisch 30 cm) abgeschnitten
  2. Auf einer Zugmaschine mit definiertem Pull-Profil getestet
  3. Gegen Hersteller-Spezifikation verglichen

Toleranzen:

  • < 30 % Verlust → Schirm bleibt flugtauglich, alle Reihen ok
  • 30–50 % → einzelne Reihen tauschen (typisch 100–200 € pro Reihe)
  • > 50 % → kompletter Re-Liner empfohlen (400–800 €)

Re-Liner heißt: alle Leinen werden ausgetauscht. Das ist kein Defekt, sondern Standard-Wartung nach 5–7 Jahren intensiver Nutzung.

Trim-Check — die Profil-Geometrie

Über die Lebensdauer dehnen sich A-Reihen leicht und schrumpfen B-Reihen leicht. Das Profil verändert sich:

  • V-Trim sinkt leicht
  • Klapper-Verhalten wird unsymmetrisch
  • Brems-Wege werden ungleich

Im Trim-Check werden alle Reihen exakt vermessen und gegen die Hersteller-Geometrie verglichen. Abweichungen werden korrigiert (Verkürzungen oder Anpassungen).

Bei modernen Schirmen mit Easy-Fit Risers ist diese Korrektur einfach — ohne werkstatt-tauglich. Bei klassischen Tragegurten muss vernäht werden.

Reparaturen, falls nötig

Drei typische Szenarien:

Szenario 1 — kleine Reparaturen (50–200 € extra)

Naht-Reparaturen, Stoff-Patches, einzelne Leinen-Wechsel. Schirm bleibt flugtauglich, Check-Stempel kommt mit Reparatur-Eintrag.

Szenario 2 — Re-Liner + Service (600–1.200 € total)

Bei 5+ Jahre alten Schirmen Standard. Komplettes Set neue Leinen, optional Stoff-Wäsche. Der Schirm hält danach 2–3 weitere Saisons.

Szenario 3 — Lebens-Ende

Wenn JDC-Werte unter 30s sind oder strukturelle Schäden vorliegen, wird der Schirm außer Dienst gestellt. Kein Logbuch-Stempel, kein Verkauf möglich.

Für Pilot:innen ist das oft emotional. Aber: ein Schirm-Tausch ist sicherer als 1 weitere Saison “noch fliegen”. Wir reden offen darüber, oft mit Foto-Dokumentation der kritischen Stellen.

Logbuch-Eintrag — der finale Schritt

Jeder Check wird im Schirm-Logbuch dokumentiert:

  • Check-Datum + Werkstatt-Stempel
  • JDC-Werte pro Mess-Stelle
  • Leinen-Test-Werte pro Reihe
  • Reparatur-Notizen, falls durchgeführt
  • Empfehlung für nächsten Check (Standard 24 Monate, ggf. 18 Monate bei kritischen Werten)
  • Werkstatt-Mitarbeiter-Code

Ohne aktuellen Check-Stempel ist die Pilot:innen-Versicherung in DACH nicht garantiert eintrittsbereit im Schadensfall. Logbuch ist nicht nur Bürokratie — es ist Versicherungs-Dokumentation.

Was es kostet — transparente Preise

Wir mögen Pauschal-Preise nicht. Hier eine realistische Spanne für einen 2-Jahres-Check in Taufkirchen:

ServiceKosten
Sicht-Inspektion + Porositäts-Test + Leinen-Sample80–120 €
Inklusive Trim-Check und Logbuch-Eintrag120–180 €
Mit Reparaturen bis 30 Min150–250 €
Mit Re-Liner600–1.200 € total
Reserve-Pack-Service (optional, jährlich)30–60 €

Bezahlt wird nach tatsächlicher Stunden-Leistung, nicht nach Pauschal-Tarif. Das spart oft 30–50 €, wenn der Schirm in gutem Zustand ist und Standard-Check ausreicht.

Termin in Taufkirchen vereinbaren

Über Flyapco läuft die Werkstatt-Koordination einfach:

  • Mail an [email protected] mit Schirm-Modell + Wunsch-Zeitfenster
  • Wir koordinieren mit der Werkstatt
  • Du bekommst einen Anliefer-Termin (per Spedition oder selbst-vorbei-bringen)
  • Werkstatt arbeitet 1–2 Wochen
  • Versand zurück oder Abholung in Taufkirchen

Wer in München-Nähe wohnt: Selbst-Anlieferung lohnt sich, weil ein 30-Minuten-Werkstatt-Besuch oft mehr Beratung bringt als ein Karton-Versand.

Fazit

Der 2-Jahres-Check ist kein Service-Termin, sondern Sicherheits-Protokoll. Was die Werkstatt prüft, kannst du als Pilot:in nicht zuverlässig selbst sehen — Porositäts-Werte, Leinen-Bruchlast, strukturelle Festigkeit.

Plan 150–250 € im Standard-Fall für die alle 2 Jahre fällige Inspektion. Wer regelmäßig fliegt, kommt damit auf eine Lebensdauer von 5–7 Jahren für einen Schul- oder EN-A Schirm — fast doppelt so lang wie ungeprüfte Schirme.

Bei Fragen zur Termin-Planung oder spezifischen Schirm-Fällen: [email protected].